Skip to content

Deutschland

Europe · de

Föderale parlamentarische Republik; der Bundestag wird nach personalisierter Verhältniswahl gewählt, die Direktmandate und Listenmandate kombiniert, wobei Papierstimmzettel von Hand ausgezählt werden.

Profil zuletzt überprüft am July 23, 2026

Das Wahlrecht in Deutschland war ab 1871 für Männer allgemein und wurde 1918 auf Frauen ausgeweitet, dann zwischen 1933 und 1945 vollständig aufgehoben. Das Grundgesetz von 1949 stellte Wahlen auf ein personalisiertes Verhältniswahlrecht, handgezählte Papierstimmzettel und einen unabhängigen Bundeswahlleiter um. Deutschland gehört zu den sehr wenigen Ländern, die elektronische Stimmabgabe gerichtlich ausgeschlossen haben: 2009 entschied das Bundesverfassungsgericht, dass jeder Bürger die wesentlichen Schritte einer Wahl ohne Fachkenntnisse überprüfen können muss.

Wie die Stimmabgabe heute funktioniert

Wahlalter
18 und älter
Wählerregistrierung
Automatisch
Ausweis
Jedes Ausweisdokument
Wahlpflicht
Nein
Briefwahl
Für alle verfügbar
Vorzeitige Stimmabgabe
Nicht verfügbar
Online-Wahl
Nicht verfügbar
Stimmabgabe aus dem Ausland
Eingeschränkt

Wähler werden automatisch aus dem Melderegister in das Wählerverzeichnis eingetragen und erhalten eine Wahlbenachrichtigung per Post. Für die Briefwahl ist seit 2008 kein Grund mehr anzugeben; sie macht inzwischen nahezu die Hälfte aller abgegebenen Stimmen aus. Im Ausland lebende Deutsche müssen einen Antrag auf Eintragung in ein Wählerverzeichnis stellen und eine frühere Wohnsitzvoraussetzung erfüllen.

Wie sich das Wahlrecht verändert hat

Jeder Eintrag dokumentiert eine Änderung darin, wer wählen durfte oder wie — Ausweitungen, Einschränkungen und Verfahrensreformen gleichermaßen.

  1. 1871Ausweitung

    Das allgemeine Männerwahlrecht galt für die Wahlen zum Reichstag seit der Gründung des Kaiserreichs.

  2. 1918Ausweitung

    Frauen erhielten das Wahlrecht und stimmten im Januar 1919 erstmals bei der Nationalversammlung ab.

  3. 1933Einschränkung

    Freie Wahlen endeten unter der NS-Herrschaft und kehrten erst nach dem Krieg zurück.

  4. 1949Ausweitung

    Das Grundgesetz stellte demokratische Wahlen in der Bundesrepublik wieder her, und der erste Bundestag wurde gewählt.

  5. 1957Reform

    Die Briefwahl wurde eingeführt.

  6. 1970Ausweitung

    Das Wahlalter wurde von 21 auf 18 Jahre gesenkt.

  7. 1990Ausweitung

    Die Wiedervereinigung brachte die erste gesamtdeutsche Bundestagswahl seit der Vorkriegszeit.

  8. 2009Reform

    Das Bundesverfassungsgericht erklärte die damals verwendeten elektronischen Wahlgeräte für verfassungswidrig, weil die Auszählung von jedem Bürger ohne technische Fachkenntnisse überprüfbar sein muss.

Sicherungen bei der Auszählung

Stimmzettelart
Papierstimmzettel
Nachwahlprüfung
Nur gerichtliche Anfechtung
Wahlverwaltung
Unabhängige Kommission
Inländische Beobachter
Ja
Internationale Beobachter
Ja

Jede Stimme wird auf Papier abgegeben und öffentlich von Hand ausgezählt — die Auszählung ist für jeden zugänglich, der sie beobachten möchte. Die Überprüfung der Ergebnisse erfolgt über das Wahlprüfungsverfahren des Bundestags und letztlich vor dem Bundesverfassungsgericht. Elektronische Wahlgeräte sind seit dem Urteil des Gerichts von 2009 ausgeschlossen.

Wissenswertes

  • Ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2009 beendete die elektronische Stimmabgabe in Deutschland faktisch: Die wesentlichen Schritte einer Wahl müssen von jedem Bürger ohne Fachkenntnisse überprüfbar sein.
  • Nahezu die Hälfte der Stimmen bei der Bundestagswahl 2021 wurde per Post abgegeben, ein Verfahren, für das seit 2008 kein Grund mehr angegeben werden muss.

Wahlen in der Datenbank

Personen

Quellen